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Semiconductors: strategische Interessen?
Lt. "Süddeutsche Zeitung" vom 11. Mai 2020 beabsichtigt das Pentagon, die Produktion von Mikrochips aus dem chinesischen Einflussbereich herauszuholen. INTEL ist bereits in Stellung gegangen.

Die Verschärfung der Beziehungen zwischen den USA und China, nicht zuletzt wg. CORONA, haben offensichtlich die Befürchtungen des US-Militärs verstärkt, man sei mit der aktuellen "Fab"-Standortstrategie in eine einseitige Abhängigkeit geraten: Für "leading edge"-Transistoren im unteren nm-Bereich seien quasi nur Samsung (Südkorea) und TSMC (Taiwan) technologisch ausreichend gerüstet, und gerade Taiwan, das die PRC immer noch als eine "Provinz" ansieht, wird als Risikostandort angesehen. Die Abhängigkeit von AMD, Apple, Nvidia, Qualcomm et. al. sei einfach zu einseitig und könnte nationale Interessen gefährden.

So hat INTEL bereits Interesse gezeigt, in diese Lücke einzusteigen. Aber auch Samsung, die bereits eine Fab in den USA betreiben, hat Interesse signalisiert, ebenso wie TSMC, die bekanntermaßen schon seit längerem eine weitere Fab außerhalb von Taiwan hochziehen möchten.

Wenn das Pentagon entsprechende Mittel bereit stellt, wäre eine High-End-Fab in den USA in relativ kurzer Zeit denkbar.

Die Frage "Warum nicht in Europa?" zwingt sich fast automatisch auf: Zum einen verfügen wir ebenfalls über geeignete Standorte und qualifizierte Fachkräfte (wie Dresden und Villach beweisen), zum anderen wäre es eine Alternative im Spannungsfeld USA – PRC, mit Europa als Moderator. Ein (auch politisch) stabiler Produktionsstandort ist im Interesse aller Beteiligten.


Interessant an dieser Stelle ist auch die Übereinstimmung mit dem Artikel von Prof. Dalia Martin, den wir hier am 08. Mai 2020 besprochen hatten: Wie schnell reagieren Infineon und all‘ die anderen High-Tech-Unternehmen, die noch zuletzt aus Kostengründen ihre Massenfertigung nach Fernost ausgelagert haben?