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DER SPIEGEL/mik/dpa-AFX: Spannungen zwischen den Großmächten: Chipausrüster ASML muss Chinaexporte vorzeitig einstellen
Die Rivalität zwischen China und den USA wirkt sich immer stärker auf die internationalen Handelsbeziehungen aus. Das bekommen insbesondere Hightechunternehmen wie ASML zu spüren.

Schon Wochen vor der Ausweitung von Exportbeschränkungen musste der Chipindustrieausrüster ASML die Lieferungen von Maschinen zur Chipherstellung an einige chinesische Kunden aussetzen. Eine Lizenz für die Auslieferung bestimmter Lithografiesysteme sei teilweise von der niederländischen Regierung zurückgezogen worden, teilte das Unternehmen am Montag in Veldhoven mit.

In Diskussionen mit den US-Behörden habe der Konzern zudem weitere Klärung zu Umfang und Auswirkung von US-Exportbeschränkungen erhalten. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf Insider berichtete, hat die Regierung von US-Präsident Joe Biden auf den vorzeitigen Lieferstopp gedrungen.

Ab 1. Januar greifen ohnehin bestimmte Exportverbote für sogenannte Deep-Ultraviolet-Lithografiemaschinen (DUV) in die Volksrepublik, um das Land von der Versorgung mit Chip-Hochtechnologie abzuschneiden. Die USA hatten bereits zuvor auf das Verbot der Lieferung von moderneren Belichtungsanlagen der sogenannten Extreme-Ultraviolet-Technologie (EUV) nach China hingewirkt.

Seit Längerem schon belastet der Technologiestreit zwischen den USA und China die Anlegerstimmung rund um Europas wertvollsten börsennotierten Technologiekonzern. ASML hat ein Quasi-Monopol im Bereich fortschrittlicher Belichtungssysteme zur Chipproduktion, Kunden sind unter anderem die großen Chiphersteller TSMC, Samsung und Intel.

Der Rückzug der Lizenzen habe keine wesentlichen Effekte auf den Finanzausblick für das Jahr 2023, hieß es von ASML. Wegen Vorzieheffekten vor Inkrafttreten der neuen Beschränkungen habe die Nachfrage auf Seiten der chinesischen Kunden von ASML im abgelaufenen Jahr sprunghaft zugenommen. ASML hatte allerdings in der Vergangenheit wiederholt betont, dass die US-Auflagen das Unternehmen kurz- und längerfristig stark beeinträchtigen werden.